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OSTSEE-ZEITUNG.DE | Mittwoch, 16. November 2005 | Titelseite
Zäune in weißer Stadt sollen bleiben Eineinhalb Jahre ruhte der Streit um das Wegerecht in Heiligendamm. Jetzt will die Stadt die Durchgänge endgültig sperren. Bad Doberan Es ist eine brisante Beschlussvorlage, die Bad Doberans Bürgermeister Hartmut Polzin und Amtsleiter Norbert Sass in der nächsten Stadtvertreter-Versammlung am 5. Dezember verabschieden lassen wollen. Der Inhalt weckt einen Streit, der nach außen hin eineinhalb Jahre ruhte den um die Öffentlichkeit der Wege in Heiligendamm. Inhalt des Papiers: Es sollen Straßen, Wege, Plätze in der weißen Stadt eingezogen oder gewidmet werden. Damit blieben die bereits im Frühjahr 2004 mit Zäunen versehenen Wege rund um das Kempinski Grand Hotel endgültig gesperrt. Zudem wäre die Prof.-Dr.-Vogel-Straße künftig für die Allgemeinheit tabu. Die Bürgerinitiative »Für Öffentlichkeit in Heiligendamm« sieht darin eine Bestätigung dessen, was sie »von Anfang an« vermutete: »Heiligendamm soll dicht gemacht werden«, sagt Heike Ohde, die sowohl in der Bürgerinitiative mitwirkt als auch Fraktionsvorsitzende des Bürgerbunds in der Stadtvertretung ist. In der Beschlussvorlage sehen sie und ihr Mitstreiter Hannes Meyer ein Eingeständnis der Verwaltung. »Im Prinzip gibt der Bürgermeister zu, dass die Wege öffentlich sind«, sagt Ohde. Diese hätten damit niemals gesperrt werden dürfen und müssten sofort wieder geöffnet werden. »Der Bürgermeister beugt das Recht«, meint Hannes Meyer. Verwaltungschef Hartmut Polzin sieht das anders. Die gesperrten Wege seien ursprünglich Wirtschaftswege für das ehemalige Sanatorium in Heiligendamm gewesen, die entweder nicht öffentlich oder betrieblich-öffentlich waren. Ob Bürgerinitiative oder Polzin Recht haben, prüft derzeit nach einer Klage von fünf Bad Doberanern das Verwaltungsgericht Schwerin. Mit einer Verabschiedung der jetzt vorliegenden Beschlussvorlage könnte sich der Fall jedoch von selbst lösen. Polzin sagt, ihm gehe es darum, »abschließende Klarheit zu schaffen« und die Rechtsunsicherheit zu beenden. Eine weitere Beschlussvorlage geht indes noch ein Stück weiter. Mit ihr sollen die so genannten Flächen der Bebauungspläne 25 und 26 zu einem Kurgebiet zusammengefasst werden. Wird dies von den Stadtvertretern beschlossen, wäre das gesamte klassizistische Ensemble nur noch für Kurgäste, Patienten der Median-Klinik sowie Hotel- und Restaurantgäste zugänglich. Laut einem Sprecher der Entwicklungs-Compagnie Heiligendamm, der an der Ausarbeitung der neuen Pläne beteiligt war, gehe es im Ganzen darum, Ruhe in die weiße Stadt zu bekommen. »So wie Heiligendamm heute ist, geht es unter«, meint er. Ob die Sperrung der Wege dem Hotel genutzt hat, ließ er offen. Dass das Kempinski Heiligendamm derzeit rote Zahlen schreibe, bezeichnete er als offenes Geheimnis. THOMAS PULT |
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