taz Nr. 8205 vom 19.2.2007, Seite 6, 133 Interview DANIEL SCHULZ mit dem Chef der Stiftung Denkmalschutz, Prof. Dr. Gottfried Kiesow
... Die Fundus-Gruppe verbreitet Unwahrheiten. Ich habe dem Abriss einer Villa für den
G-8-Gipfel nie zugestimmt. Auch nicht dem der anderen zwei Häuser, die von der Denkmalbehörde Mecklenburg-Vorpommerns leider zum Abriss freigegeben wurden. Ich bin sauer, dass mein Name mit diesen schändlichen Taten in Verbindung gebracht wird...
Mehr dazu: Ausführliche Beschreibung der Vorgänge durch Prof. Dr. Kiesow
Zum Interview

Stellungnahme der unteren Denkmalschutzbehörde,
Landkreis Bad Doberan, 10.05.2005 (Bebauungsplan 25):
... Mit dieser durchaus geplanten Anlage war mit dem Meer, dem Strand, der Rasenfläche, der Villenreihe und dem Buchenwald eine grandiose landschaftliche Staffage entstanden. Es war ein städtebaulich einmaliges Ensemble geschaffen, dass seinesgleichen in Europa sucht ...
... Da die Festlegungen aus der Verordnung über den Denkmalschutzbereich »Heiligendamm« ignoriert werden, wird es zu einer Auflösung oder nochmaligen Verkleinerung des Denkmalbereiches kommen müssen ...

Gerd Baier, Hauptkonservator i.R. , 20./21.1.07, NNN:
... Sie sei baufällig und nicht mehr im ursprünglichen Zustand gewesen, heißt es. Als ob man nicht bis in die jüngste Geschichte der Denkmalpflege hinein viele solcher maroden Bauwerke, wenn man sie als Einzeldenkmal oder als Ensemble von historischen Bauwerken unentbehrlichen Teil erkannt hätte, wieder in einen der ursprünglichen Gestalt weitmöglich angenäherten Zustand zurückversetzt hätte ...

Die Zeit - Feuilleton: 11.01.2007 Nr. 03 | Hanno Rauterberg (Auszug):
»So gut wie nichts wurde erhalten«, sagt der heute pensionierte
Denkmalpfleger Dieter Zander, der mit ansehen musste, wie das Ensemble bis auf die Grundmauern ausgeweidet wurde. Vieles wurde abgeschlagen, entblättert, ausgeschabt, noch nicht mal die alten Dächer durften bleiben.
Offenbar ist der Drang vieler Deutscher nach Sauberkeit und Ordnung unerbittlich. Anders als in Italien oder Frankreich, wo eine Wand auch mal fleckig, ein Pfeiler mal rissig sein darf, muss hierzulande das Alte aussehen wie gerade errichtet, so auch in Heiligendamm. »Für mich«, sagt Zander, »ist das kein Denkmal mehr. Das ist ein Neubau.« Und was ihn besonders ärgert: Das Hotelprojekt und damit die Zertrümmerung großer Teile der alten Bausubstanz wurden üppig mit Fördergeldern bezuschusst - mit 53 Millionen Euro.
Im Gegenzug hätte der Staat zumindest verlangen müssen, sagt Zander, dass die sieben wunderbaren Cottages erhalten bleiben, kleine Villen, fast 200 Jahre alt und heute arg zerzaust. Auch die passten dem Investor Jagdfeld nicht ins Bild, und selbst die finanzielle Hilfe der Deutschen Stiftung Denkmalschutz schlug er banausisch aus. Drei der Cottages, so ist's beschlossen, werden abgerissen, ohne Not. Einen neogotischen Turm hat Jagdfeld hingegen neu errichten lassen, eine reine Rekonstruktion.
