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Bundespräsident
Horst Köhler
11010 Berlin
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Sehr geehrter Herr Prof. Dr. Horst Köhler,
ich möchte mit diesem Schreiben meinen Protest gegen den Abriss von Villen der so genannten Perlenkette kundtun. Die Perlenkette ist ein Ensemble von Villen im ersten deutschen Seebad Heiligendamm, welches durch sein nahezu vollständig erhaltenes klassizistisches Ortsbild Einzigartigkeit besitzt und dessen Baugeschichte mit so bekannten Namen wie Carl Theodor Severin, Georg Adolf Demmler und Johann Christoph Heinrich von Seydewitz verbunden ist.
Mit dem Erwerb der Gebäude im denkmalgeschützten Ortskern durch die Kölner Fundus-Gruppe im Jahre 1995 waren große Hoffnungen auf eine Rettung der historischen Bausubstanz verbunden.
Die in einem Grundlagenvertrag zwischen Stadt und Investor seit 10 Jahren zugesicherte Sanierung der Villen der Perlenkette fand nicht statt. Sie verfielen weiter.
Gegen den Protest der hiesigen Denkmalpflege setzte der Investor mit Hilfe der Landesregierung nun sein Ansinnen durch, einen Teil der Perlenkette abzureißen.
Eine Verpflichtung zum Wiederaufbau gibt es nicht. Er ist nach langen Jahren der leeren Versprechungen auch kaum noch zu erwarten.
Nun wird die erste Villa der Perlenkette, das Haus Perle, abgerissen.
Villa Schwan und Villa Möwe werden folgen.
Durch den Abriss wird ein Stück Deutscher und Mecklenburger Geschichte unwiederbringlich zerstört, und die Bürger der Region schauen ohnmächtig zu, wenn sie sich nicht schon abgewendet haben. Am Ende dieses Prozesses werden die Menschen ihr geliebtes Heiligendamm verloren haben.
Mittlerweile zeigt sich auch für die Bevölkerung immer klarer das offensichtliche Scheitern des Konzeptes der Fundusgruppe, die von Politik und Bürgern mit dem Verweis auf ausbleibenden wirtschaftlichen Erfolg immer weiterreichende Zugeständnisse abverlangt. Eine nachhaltige Entwicklung im gegenseitigen Interessenausgleich erfolgt nicht.
So wurde der Teil des Ortes, welcher zum Grand Hotel Kempinski entwickelt wurde, mittlerweile weitgehend für Besucher gesperrt. Auch ein Teil der bisher öffentlichen Promenade und der Internationale Küstenwanderweg, welcher durch den Ort führt, sind davon betroffen.
Das erst verhohlene, nun immer deutlicher formulierte Ansinnen des Investors einer Entwicklung des Ortes zu einem Ressorthotel ohne Öffentlichkeit ist für die traditionell gastfreundlich eingestellten Bürger unserer Region ein Schlag ins Gesicht.
Ich möchte Ihnen hiermit meine große Sorge mitteilen, dass Heiligendamm nicht mit der erforderlichen Sorgfalt und dem Verantwortungsbewußtsein entwickelt wird, sondern die Legende Heiligendamm nur noch zur Immobilien- und Grundstücksspekulation genutzt wird.
Sie sind das Haupt dieses Staates und gleichzeitig moralische Instanz.
Wir möchten, dass Sie wissen, wie es um die Kultur und die moralischen Werte in diesem Bundesland bestellt ist und bitten Sie, sich eine unabhängige Meinung zu bilden und sich in diesen Prozess einzumischen. Es geht um Werte, Geschichte und Identität, und es geht vor allem um den Erhalt des ersten deutschen Seebades.
Mit freundlichen Grüßen nach Berlin
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Datum, Unterschrift
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